Nimm deine Wurzeln und geh

Biographiearbeit für die Arbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern und deren Eltern - eine Fortbildung für Sozialpädagogen

Herta Schindler, Brigitte Schiffner
in Zusammenarbeit mit den Sozialpädagogen der Nordhessischen Pflegekinderdienste und Adoptionsberatungen

(erschienen in der "systhema 2007", Weinheim, unter dem Titel "Nimm deine Wurzeln und geh. Biografiearbeit unter systemischer Perspektive in der Arbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern und deren Eltern")

Dieser Artikel entstand aus einer Fortbildung für Sozialpädagogen, die mit Adoptiv – und Pflegekindern- und eltern arbeiten. Ausgangspunkt war die Frage, wie Adoptiv- und Pflegekinder und deren Eltern bei der Suche nach und Integration von der kindlichen Vergangenheit unterstützt werden können. Ziel war es, das Verständnis für die Wichtigkeit dieses Vorgehens in Bezug auf die Entwicklung von Zukunftsfähigkeit zu vermitteln. Anspruch war ebenfalls, den Pädagogen einen Input zu geben, um ihr inneres Erleben in Bezug auf die Notwendigkeit von Biographiearbeit zu stärken und die Wahrnehmung dessen, was schon erlebt wurde, ins Bewußtsein zu nehmen. Der Prozess und die Ergebnisse dieser Fortbildung sollen hier dargestellt werden.

Die Fortbildung bestand aus zwei Schwerpunkten, einem Selbsterfahrungsanteil und einem Übertragungs- und Anwendungsanteil auf das berufliche Handeln.


I. Biographiearbeit als Selbsterfahrung
Ausgehend von der Idee, dass es gut ist, zu wissen, wo man ankern kann, bevor man sich ins unbekannte Gewässer begibt, begannen wir mit einer Übung zur Selbstvergewisserung (Wurzelerfahrung).
Mit Hilfe einer assoziativen Methode aus dem kreativen Schreiben, der Schreibsonne (siehe Anhang *1), regten wir die Pädagogen an, sich an eigene, positive Kindheitserfahrungen zu erinnern. „Eine Situation, in der ich mich geborgen gefühlt habe in der Beziehung zu einem erwachsenen Menschen“, lautete die Aufgabenstellung, der schriftlich nachgegangen wurde.
Durch das Vorlesen der entstandenen Geschichten entstand ein innerer Raum, in dem die Begegnungsqualitäten deutlich wurden, die einem Kind Verwurzelung in Beziehung ermöglichen. Ein gemeinsames Anliegen spüren, Fürsorge und Wärme empfangen, Blickkontakt haben, sich auf kleine, wiederkehrende Erlebnisse und Rituale verlassen und freuen zu können, davon sprachen die Kindheitserlebnisse.
Diese Vorgehensweise, - das Erinnern und Erzählen dessen, was gut und nährend gewesen war-, wurde gewählt, weil sie auch bedeutsam ist für die Unterstützung der Suche nach den biographischen Wurzeln der Pflege- und Adoptivkindern. Dem Ungewissen, dem Schmerzhaften lässt sich mit den bewusst gewordenen, tragenden Momenten in der Biographie leichter entgegen gehen.

„Welcher Mensch/ welche Zeit in meiner Familie trägt für mich einen weißen Fleck? Welche Phantasien – Hoffnungen und/oder Befürchtungen - ranken sich um diesen Menschen/ diese Zeit?“ lautete das nächste Thema, das mit Hilfe des Clusters (siehe Anhang *2) schriftlich erkundet wurde.
Diese Aufgabenstellung sollte das Empfinden der Pädagogen dafür verfeinern, was es bedeutet, mit einem gravierenden Nichtwissen in Bezug auf die eigenen Herkunft zu leben. Gleichzeitig war damit intendiert, zu zeigen, dass Pflege- und Adoptivkinder nicht in einer absoluten Sondersituation leben, sondern dass dieses Nichtwissen eine (mehr oder weniger starke) Fassette jeder menschlicher Realität ist.
Geschichten, die dabei zur Sprache kamen, drehten sich um Themen wie
• Fragen an den eigenen, unbekannten Vater,
• Gefühle der Nichtzugehörigkeit in Verbindung mit dem Verlust der Heimat und damit der Wurzeln der Eltern durch Krieg und Vertreibung,
• die sich merkwürdig gebärdende Großtante, von der man erst im Erwachsenenalter erfährt, dass sie, jüdischer Abstammung, ihre zwei Kinder im Faschismus nach England hat ausreisen lassen und danach nie mehr wieder gesehen hat,
• Abwertung von Familienmitgliedern aus Gründen, die nicht ergründet werden sollen,
• die ferne Nähe zu unbekannten Halbgeschwister etc.

Bedeutsam war zu diesem Zeitpunkt das Erstaunen darüber, wie intensiv die Präsenz von Nichtbekannten oder Nichtgesagten war und wie stark die verborgene Verbundenheit zu diesem weißen Fleck auf der Landkarte der eigenen Biographie ist.

Der erste Teil der Fortbildung endete auf diese Weise mit einer Verbindung zwischen Selbsterfahrung und Arbeitserfahrung. Die Wirkung von verborgenen Teilen der Lebens- und Familiegeschichte auf die eigene Befindlichkeit und das Selbstbild, die durch die Geschichten unmittelbar spürbar geworden war, konnten als Notwendigkeit zur Biographiearbeit mit Pflege- und Adoptivkindern auf den Arbeitsbereich übertragen werden.
Es wurde darüber hinaus deutlich, dass es für Sozialpädagogen in ihrer Arbeit zwei Wurzelstränge gibt: die mitgebrachten biographischen Erfahrungen und die erworbene Professionalität – ähnlich den zwei Wurzelstängen von Herkunftsfamilie und angenommener Familie, aus denen Pflege- und Adoptivkinder ihre Identität bilden müssen.

II. Biographiearbeit als Arbeitsmethode
Anlehnend an den ersten Teil der Fortbildung wurden die Teilnehmer angeregt, Erfahrungen aus ihrem Arbeitsbereich als Geschichte niederzuschreiben.
„Über die Arbeit mit einer Pflegefamilie/ einem Pflegekind erzählen, für die man sich entweder Klärung wünscht oder in der sich etwas überraschend gut oder schlecht entwickelt hat“, lautete die Aufgabenstellung.
Wichtig war uns dabei, dass die Pädagogen ihr inneres Erleben als Focus nehmen. Methodisch konnten sie als Einstieg wählen zwischen der Schreibsonne und dem Cluster, aus dem sich ein fortlaufender Text entwickeln sollte.
Nach Fertigstellung der Geschichte wurde angeregt, je einen schriftlichen Kommentar aus der Perspektive des Kindes und aus der Perspektive der Pflege- bzw. Adoptiveltern zum Geschriebenen hinzuzufügen.

Im Folgenden präsentieren wir vier der entstandenen Geschichten. Ihre Abfolge zeigt exemplarisch den Prozess der Herausnahme von Kindern aus dem Elternhaus und daraus entstehende mögliche Begleitungsaufgaben im biographischen Bezug.
Dabei werden die Fragen und auch Zweifel deutlich, die sich für Sozialarbeiter in dieser Arbeit ergeben.

„Trennung“ -
Erste Geschichte, die erzählt, wie es beginnt, ein Pflegekind zu sein

Trennung, Trennung, Trennung, wie oft müssen diese zwei Kinder das noch erleben? Sie leben als Geschwister mit Mutter und Vater, der Vater von nur einem Kind ist. Die Mutter hat sich vom Vater des anderen Kindes getrennt, der Sohn wurde getrennt.
Die Jungen haben sich, die Eltern haben ihre Drogen, die seit Jahren zur Familie gehören. Die Eltern träumen, mit den Kindern eine Familie sein zu wollen, unauffällig, Vater, Mutter, Kinder.
Bei einem Polizeieinsatz wird die Familie gewaltsam getrennt, die Geschwister bleiben zusammen. In einer ihnen völlig fremden Situation. Sie haben nur sich, der Große hütet den Kleinen, der Kleine kann sich auf den Großen verlassen. Sie wurden von ihren Eltern verlassen, - erst jetzt, oder schon vor langer Zeit?
Die Eltern werden getrennt, die Mutter wird in Süddeutschland festgehalten, der Vater in der Mitte.
Die Kinder lernen neue Menschen in ihren jungen Jahren kennen. Diese sollen ihnen ein „neues Leben“ ermöglichen, - mit oder ohne Vergangenheit?
Die Geschwister werden getrennt, ohne Schmerzen… bestimmt mit Trauer, Wut, Hoffnung und vielen Fragen im Lebensgepäck.
Die Beiden können sich sehen, besuchen, treffen, reden… über was?
Ihre Familie – welche?

Diese Geschichte vermittelt die Erschütterung der Sozialarbeiterin bei der Herausnahme der Kinder aus ihrem familiären Zusammenhang. Vieles ist aufgerissen und es ist schwer, die Situation mitzutragen. Wo die Hoffnung hernehmen, dass es für die Kinder gut weitergehen kann?
Hierist es hilfreich, sich bewusst zu machen, dass die Fachkraft eine wichtige Funktion übernimmt: sie wird zur Zeugin des biographischen Bruches im Leben der Kinder und des damit verbundenen Schmerzes und sie kann zur ‚Bewahrerin’ dieser Erfahrung werden. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine andere Person im Leben der Kinder, die diese Aufgabe übernehmen könnte: die leiblichen Eltern haben ihre Präsenz verloren und Pflege- oder Adoptiveltern sind in der Regel noch nicht in sie eingetreten.
Die bewusste Übernahme dieser Zeugenschaft, verstanden als not-wendiger Bestandteil der sozialpädagogischen Aufgaben, gibt dieser Situation eine Bedeutung für die Zukunft und macht sie damit auf tröstende Weise sinnvoll. Zu einem späteren Zeitpunkt erwächst aus solch einer bewusst wahrgenommenen Zeugenschaft für die Kinder die Möglichkeit, im Rahmen einer eventuellen Spurensuche auf das sachliche und emotionale Wissen der Sozialarbeiterin (bzw. des Jugendamtes) zurückgreifen. Ein wichtiger Wendepunkt in der Lebensgeschichte von Betroffenen kann dadurch rekonstruiert und Identität gewonnen werden (siehe Geschichte drei).

Darüber hinaus ist es im Sinne des biographischen Ansatzes sinnvoll, die Fachkraft durch Fragen nach Trennungsgeschichten in ihrer Herkunftsfamilie anzuregen, das Verständnis für den eigenen Kontext ihrer Betroffenheit zu erweitern.

„Sein oder Schein“
Zweite Geschichte, die danach fragt, wer wo angekommen ist

Die Familie steht in der Öffentlichkeit, der leibliche Sohn läuft ‚gradlinieg’, er macht sein Abitur und meistert auch sonst alle Anforderungen, die das Leben an einen 18 jährigen stellt.
Problematischer ist die Situation der zwei in der Familie lebenden Pflegekinder. Die Geschwister, die sehr klein, als Säuglinge bzw. als zweijähriges Kleinkind, in die Familie gekommen sind, werden von den Pflegeeltern wie eigene Kinder geliebt und dafür wirbeln sie alles so durcheinander, dass das ganze Familienleben nur noch darauf ausgerichtet ist, alles irgendwie doch noch zu schaffen.

Das Leben der Kinder gestaltet sich von Beginn an dramatisch: Mangelversorgung, Vernachlässigung und Misshandlung durch die Eltern. Die Herausnahme erfolgte gegen den Willen der Eltern und verlief mit vielen Drohungen, Geschrei und Gewalt. Besuchskontakte mussten früh abgebrochen werden.

Bis heute verläuft das Leben der beiden Kinder schwierig. Beide haben Schulprobleme, verweigern den Unterricht, die Ältere ritzt, die Jüngere hat einen Suizidversuch begangen. Grenzverletzungen, Grenzüberschreitungen, Protest und Rebellion bestimmten das Leben.

Die Pflegeeltern sind lange an ihre Grenze gekommen, das soll nur keiner wissen. Sie suchen zwar Hilfe, aber nur vordergründig, keine unangenehme und keine, die die Familie in der Öffentlichkeit diskreditieren könnte.

• Das ältere Pflegekind möchte Kontakt zu den leiblichen Eltern aufnehmen, dies wird von den Pflegeeltern nicht gewollt. Auch die Aufklärung über die existierenden leiblichen Geschwister und die Herkunftsfamilie wird abgelehnt und kann nicht im Einverständnis und in Zusammenarbeit mit den Pflegeeltern erfolgen. Die Kinder haben nie direkt von den Pflegeeltern gesagt bekommen, dass sie nicht adoptiert sind, sondern als Pflegekinder in der Familie leben. Die Pflegeeltern haben Angst, den Kindern zu erklären, dass sie Geldleistungen für sie bekommen.
• Die Pflegeeltern haben einerseits Angst, dass seitens der Eltern oder der Pflegekinder Vorwürfe laut werden könnten, andererseits wollen sie auch die Kinder schützen und halten die Konfrontation mit den Eltern bzw. mit der Vergangenheit für zu aufwühlend für die Kinder.

Sie kämpfen für ‚ihre’ Kinder an vielen Fronten, - um die Versetzung in der Schule aus pädagogischen Gründen zu erwirken, um die Sonderbeschulung zu verhindern, um die kleinen ‚Vergehen’ im Privatbereich wieder gerade zu rücken, um alles wieder ‚richtig zu stellen’, um die pubertären Launen der Kinder zu ertragen … . Sie fühlen, dass sie den Kampf „mit der Vergangenheit und mit den leiblichen Eltern“, der jahrelang verdrängt wurde, nicht auch noch wollen.

Perspektivwechsel
Gedanken der Kinder:
• Hier gibt es schlimme Geheimnisse -
• Ich muss schlimm sein… ich bin schlimm...
• Ich verstehe mich selbst nicht, ich will das nicht.
Gedanken der Pflegeeltern:
• Wir können nicht mehr, wir tun doch alles für die Kinder, aber die verbauen sich alle Chancen, wenn wir jetzt auch noch über die Vergangenheit und über die leibliche Familie reden, dann wühlt dass bestimmt so auf, dass sie die Versetzung in de Schule nicht mehr schaffen. Die anderen Probleme in der Schule sind jetzt wichtiger.
Abschließender Gedanke der Fachkraft:
Jedes Kind hat ein Recht darauf, seine Herkunft zu kennen.

Die Geschichte erzählt von Geheimnissen und Tabus, die sich in der Pflegefamilie entwickelt haben und Wirkungen, die davon vermutlich ausgehen und stellt sie die Frage nach professionellen Handlungsmöglichkeiten in solch einer Situation.
Dazu gehört die Wahrnehmung der widersprüchlichen Aufträge, die die Fachkraft erhält. Da sind einerseits die Pflegeeltern, die hoffen, die Fachkraft könne die Situation retten, ohne sie zu ändern, und da ist ein Pflegekind, das Fragen zu seiner Herkunft und möglicherweise auch zu seinem Platz in der Pflegefamilie hat, sie aber nicht ohne Kränkung von und Grenzverletzung gegenüber den sorgenden Erwachsenen stellen kann.
Hinweise auf einen möglichen Lösungsweg sind im Text angedeutet:
Indem mit den Pflegeeltern über den Beginn, über die Wurzeln der Inpflegenahme reflektiert würde, könnte der vermeintliche Sinn ihres Verdeckens von Realitäten und damit auch ein Teil der Dynamik, die die Kinder entwickelt haben, in einem neuen Licht erscheinen.
Was haben die Pflegeeltern vor der Aufnahme der Kinder mit einer inpflegenahme verbunden? Gab es einen heimlichen Adoptionswunsch? Wer aus der Familie hat ihnen damals Mut gemacht, wer hat Befürchtungen geäußert? Wenn man sich auf die Suche nach weiteren Geheimhaltungen in den Herkunftsfamilien machte, auf welche Geschichten könnte man dann stoßen?
Biographiearbeit mit den Pflegeeltern könnte hier eine Möglichkeit darstellen, um für die Kinder den biographischen Zugang zu öffnen.

Dieses Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit der Ausbildung von Sozialarbeitern in Inhalt und Methoden der Biographiearbeit. Im ersten Schritt geht es darum, Klarheit darüber zu erlangen, dass es Pflegeeltern nicht freisteht, die Wurzesuche der Kinder zuzulassen oder zu unterbinden oder Realitäten zu verleugnen. Das ist deshalb wichtig, damit Sozialpädagogen, wie in diesem Fall, den Argumenten der Pflegeeltern nicht erliegen. Denn hier ist der Sozialpädagoge, wie bei der Herausnahme von Kindern aus der Herkunftsfamilie, genötigt, etwas gegen den Willen von Eltern anzustoßen. Und das lässt sich nur mit fachlich abgesicherten Gründen tun.
Zu einem zweiten Schritt gehört es dann, Methoden an die Hand zu bekommen, um diesen Prozess in Gang und die Eltern mit ins ‚biographische Boot’ zu nehmen. (Literaturangabe für Kinder*)

Für die Sozialpädagogin, die unsicher ist, ob sie an den Tabuvorgaben der Pflegeeltern rühren darf, wäre eine weitere Möglichkeit, zu prüfen, ob sie sich in Verbindung mit diesem Fall mit einem vermutlich erst halbbewussten Thema der eigenen Biographie verbunden hat.


Wirrwarr –
Dritte Geschichte, die die Chronologie einer Mutter-Tochter-Zusammenführung aus der Perspektive der Sozialpädagogin erzählt

Nach Monaten des Wegschiebens, Verdrängens und der Suche nach ‚Wichtigerem’ habe ich im Schreibtisch die ‚unangenehmen Hinterlassenschaften’ meiner Vorgängerin ‚ausgegraben’ und endlich versucht, sie zu bearbeiten. Zunächst Sortieren der schriftlichen Unterlagen, Erstellen einer Chronologie: wann geschah was mit welchem Ergebnis, wo stockt es, wie könnte es weitergehen, es hat sich ja lange keiner gemeldet?!
Der Wunsch, ‚keine Leichen’ im Schreibtisch zu haben, ist stärker. Also ran an den Fall: Kollegin krank, wen fragen, was ich tun soll, tun darf?
Unsicherheit. Wieder weglegen?

Wer ist die Mutter von Gabi, wo lebt sie, gibt es einen Weg von Mutter zur Tochter, von Tochter zur Mutter?
Die Fragen sind nur zu beantworten, wenn ich die Mutter ausfindig mache.
Also, den im Kreis lebenden Vater der leiblichen Mutter einfach anrufen. Tipp vom Kollegen. Muß ja nicht sagen, worum es geht, einfach nur nach der Adresse der Tochter fragen; mit der hätte ich was zu besprechen.
Klappt wunderbar, Adresse erfahren ohne Nachfrage nach dem Grund, warum ich das wissen will.
Erstaunen – es ist die Adresse, die schon vor Monaten aufgetaucht war, aber wo laut Einwohnermeldeamt die gesuchte Person nicht gemeldet ist.
Ich schreibe einfach mal hin mit der Bitte um Rückruf in einer dringenden, persönlichen Angelegenheit.

Schon am nächsten Tag ein Zettel in meinem Postfach. Frau X. hat angerufen und bittet um Rückruf.
Freude – Herzklopfen – was kann ich sagen, wie kann ich sie gewinnen???
Ordentlich tief durchgeatmet, Nummer gewählt, Frau X. war gleich dran – und irgendwie lief es wie von selbst. Kamen schnell ins Gespräch, Grund geklärt, kurz von sich erzählt. Ja, sie möchte Kontakt zu ihrer Tochter.

Hat ja super geklappt, leichter als gedacht. Sofort Adoptivvater angerufen (warum eigentlich den?). Neuigkeiten mitgeteilt. Er sagt es seiner Tochter, die wird sich bei mir melden – super, gut gemacht.

Nach dem Wochenende Zettel im Fach. Frau X. hat angerufen und war stinkssauer. Entfernter Bekannter hat ihr telefonisch Vorwürfe gemacht, wie sie denn ihre Tochter weggeben konnte, was sie für eine Mutter sei?
Herzklopfen, Unsicherheit – ich muss anrufen, wie wird Frau X. reagieren?
Fasse allen Mut zusammen, aufschieben hilft nichts. Rufe Frau X. an und erläutere Geschehnisse, frage, ob wir indiskret waren.
So hat sie sich das nicht vorgestellt, stellt in Frage, ob sie überhaupt noch Kontakt will.
Zeige Verständnis für ihre Wut, finde keine Erklärung für diesen Vorgang, tut mir leid für sie…
Letztendlich war sie wieder ‚runtergekühlt’. Kann alles so weiterlaufen wie geplant – Erleichterung bei mir.

Erstkontakt mit Gabi, Gespräch im Büro.
Wie sieht sie aus, was ist sie für ein Typ, wie komme ich mit ihr ins Gespräch, was will sie wissen – hoffentlich wühle ich nicht zu viel Emotionen bei ihr auf.

Läuft besser als geahnt. Langes, gutes Gespräch, emotional gefasst, gute Atmosphäre, über Weg geeinigt.
Sie schreibt ihrer Mutter einen Brief, den diese über mich erhält…

Perspektivwechsel:
Gedanke des Adoptivkindes:
• „Hätte das alles nicht einfacher laufen können?“
‚Gedanke der leiblichen Mutter:
• „Typisch Sozialarbeiter!“
Eigene Frage:
• Wo kommt das Wirrwarr her, von mir oder aus dem Fall?

Die Herausforderung, von der diese Geschichte erzählt, ist Integration und Versöhnung statt Abbruch und Verdrängung. Auffallend ist der intensive Prozess der Sozialarbeiterin, in dessen Verlauf sie die Emotionalität kanalisiert, um Begegnung möglich zu machen. Die Sozialarbeiterin ist immer da besonders involviert, wo sich die Frage stellt, ob es einen weiteren Schritt aufeinander zu geben wird oder es zu einem erneuten Abbruch der Kontaktaufnahme kommt. Im Gesamtgeschehen nimmt sie eine Art Brückenfunktion ein. Die Betroffenen tasten sich über die Gespräche mit ihr allmählich an eine reale Begegnung heran.
Wenn man sich erinnert, wie heftig die Herausnahme eines Kindes aus der Familie wirkt oder wie schwer der Entscheidungsprozess einer Mutter für eine Adoptionsfreigabe ist, wird die Arbeit der Zusammenführung in ihrer Tragweite deutlich. In der äußerlich aus einigen Telefonanrufen bestehenden Tätigkeit werden innerlich weite Wege zurückgelegt. Dafür haben die Beteiligten Zeit nötig, Zeit, um sich einen Schritt vorzuwagen, Zeit, um die Ergebnisse zu bedenken, Zeit, um sich ihrer selbst im Vertrauten zu vergewissern. Insofern scheint es stimmig, dass sich auch die Fachkraft als ‚Schaltstelle’ dieses Prozesses Zeit für die einzelnen Schritte zugesteht.

Der Frage nachzugehen, was ihr Anteil an dem „Wirrwarr“ sei, lohnt sich gleichwohl.
Im Rahmen der Biographiearbeit l(siehe erste Fortbildungsteil) würde man eine Ausdifferenzierung der Frage erarbeiten, um sie beantwortbar zu machen.
Die könnte beispielsweise lauten:
Welche Geschichten kann meine Familie zu dem großen Themenzyklus Verletzungen, Trennungen und Wiederbegegnungen beitragen?
Welche Menschen in meiner Familie möchte ich versöhnen und wie würde ich deren Geschichte erzählen?
Intenion wäre, vergleichbare Prozesse mit größerer innerer Ruhe und dadurch mit weniger Kräfteverschleiß begleiten zu können.

„Tom will seiner Mutter schreiben“
Vierte Geschichte, die von den Mühen der Kontaktaufnahme erzählt

Es war so ausgemacht:
Nach den Herbstferien soll Toms Mutter einen ersten Brief von ihrem Sohn bekommen. Noch nie im Leben hat er ihr geschrieben.
Aber was soll er eigentlich schreiben dieser Frau, die er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat und die auf dem Foto, dass sie ihm zugeschickt hatte, so seltsam aussieht? Und hatte er eigentlich nicht schon erreicht, was er wollte: Seine Mutter war gefunden worden und sie hatte genauso reagiert, wie er es sich gewünscht hatte. Hauptsache, dass mit dem Namen geht klar. Tom denkt. „Das hat jetzt meine Mutter in die Hand genommen und es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass ich ‚Winter’ heiße.“
Aber es ist jetzt ein Geben und Nehmen geworden: Einwilligung zur Namensänderung gegen einen netten Brief vom Sohn an die Mutter.
Als Tom seine Mutter das letzte Mal gesehen hatte, konnte er noch gar nicht schreiben. Jetzt kann er zwar schreiben, aber er weiß nicht was. Es sind so viele Jahre vergangen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Würde Toms Mutter ihn überhaupt verstehen? Es weiß gar nicht, was seine Mutter interessiert und es ist doch so viel passiert. Beim Nachdenken darüber wird er derart müde, dass er beschließt, seine Mutter zu bitten, dass mit dem Briefeschreiben noch mal zu verschieben. Außerdem muss er ja noch Hausaufgaben machen und das ist doch eigentlich wichtiger. Jetzt hat es so lange gedauert, bis er ein Lebenszeichen von seiner Mutter bekam, dass er jetzt auch ein Recht hat, sie noch etwas zappeln zu lassen. Mal sehen…

Perspektivwechsel
Gedanken von Tom:
• „Bitte keinen Druck!“
• „Jetzt hat er (der Spz.päd) gemerkt, dass ich nicht gedrängt werden will.“
Gedanken der Pflegeeltern:
• „Vielleicht sollten wir einfach mal gemeinsam zu Toms Mutter fahren…“


Rhythmus der Wiederbegegnung zulassen. Nichts forcieren. Die Bedürfnisse beider Seiten anerkennen.

Diese Geschichte aus der Perspektive von Tom erzählt uns, wie wichtig es ist, an dieser Stelle des Prozesses als Sozialpädagoge nicht zu lösungsorientiert zu arbeiten. Der weiße Fleck, der für den Briefschreiber auftaucht, „ich weiß nicht, was sie interessiert‘, ist ja nicht banal sondern schafft ein Bewußtsein über die momentane reale Beziehung zu dem Zeitpunkt, wo dass, was vorher abgeschnitten wurde, sich wieder begegnen soll. Beide Welten, das Leben der Mutter und das Leben des Sohnes, müssen erst wieder in Zusammenhang gebracht werden. Jeder muß auf der Brücke ein Stückchen dem anderen entgegenkommen. Das ist emotional sehr sensibeler Prozess. Die im Text beschriebene, überwältigende Müdigkeit ist Ausdruck dafür.
Die Gefahr, der die Fachkraft hier ausgesetzt ist, ist paradoxerweise der zu starke Wunsch nach einer gelungenen Zusammenführung, sei es, um ein Erfolgserlebnis im Beruf zu haben, sei es, weil es ein Bedürfnis ist, das aus eigenen biographischen Erfahrungen gespeist ist.
Die Herausforderung besteht darin, dass Kind zu unterstützen, in der Kontaktaufnahme zur Mutter bei sich zu bleiben, also z. B. das eigene Tempo zu wählen, die eigenen Themen zu wählen -, damit es damit leben kann, egal, wie die Mutter/Eltern reagieren – und die Begegnung für sich einordnen kann. Der Sozialarbeiter ist aufgefordert, der Versuchung zu widerstehen, sich mit dem inneren Kind in sich zu verbinden, dass es den Eltern recht machen will, die „doch endlich da sein wollen“.

Neun hilfreiche Qualitäten für die Begleitung bei der Wurzelsuche
Aus den persönlichen Geschichten und den daraus abgeleiteten der Geborgenheit, die aufgeschrieben wurden und aus den Geschichten aus dem Arbeitsalltag entwickelten wir folgende Qualitäten, die für die Begleitung von Adoptiv- und Pflegekindern und deren Eltern bei ihrer Wurzelsuche hilfreich sind:

1. Trennung zwischen den Aufgaben der sozialen Kontrolle und der lebensgeschichtlichen Begleitung
Dies beinhaltet
a. in Bezug auf die soziale Kontrolle, die Bereitschaft des Jugendamtmitarbeiters, handelnd Verantwortung zu übernehmen, in ‚Täterschaft’ zu kommen, ‚schuldig’ zu sein an Weichenstellungen im Leben des Kindes
b. den Mut aufzubringen, mit den vielfältigen Folgen der Entscheidung umzugehen, z.B. in der biographischen Begleitung des Kindes.

2. Neutralität
Ein Verstehen entwickeln, dass es möglich macht, sich über die leiblichen Eltern von Kindern in solch einer Weise zu äußern, dass sich das Kind in seine biographische Linie stellen kann, ohne Angst vor seiner Herkunft zu bekommen und das heißt auch, ohne Angst vor sich selbst zu bekommen. Neutralität beinhaltet hier, ohne Bewertungen und Verurteilungen der Person der Eltern wahrheitsgemäß und kindgemäß auf seine Fragen nach ihrem Verhalten zu antworten.

3. Demut und Bescheidenheit, Würdigung und Respekt
gegenüber dem Schicksal des Kindes (und das heißt auch, gegenüber dem
Schicksal der Eltern) erlaubt den professionellen Helfern, die
Lebensschicksale anzuschauen, ohne das ändern zu müssen, was sie nicht
ändern können. Es entsteht eine innere Balance zwischen professioneller
Distanz und fördernder Beziehung. Diese Balance ermöglicht Handeln.

4. Umgang mit der eigenen Betroffenheit
erwächst aus der Fähigkeit, sich zu distanzieren und gleichzeitig im Kontakt zu bleiben. In Distanz zu bleiben meint, die Geschichte des Kindes (und der Eltern) im Wesentlichen nicht durch Verknüpfung mit eigenen Erlebnisanteilen zu absorbieren. Im Kontakt bleiben bedeutet, bereit zu sein, die Gefühle des Kindes in Bezug auf seine Geschichte weitgehend wahrzunehmen und zu begleiten. Starke eigene Gefühle gegenüber einzelnen Familienmitgliedern und ihren Handlungen können dabei als Übertragungsgefühle wahrgenommen werden. Der bewusste Umgang mit ihnen ermöglicht Handlungsfreiheit.

5. Bereitschaft, mit dem Kind durch einen Trauerprozess zu gehen und die nötigen Kenntnisse über die Phasen der Trauer.

6. Bereitschaft, eigene Grundannahmen zu überprüfen und zu relativieren
z.B. „diese Erfahrung hat keinen Sinn“, „ein gutes Leben ist ein leichtes Leben“.

7. Humor
„Begleitung ohne Humor ist witzlos“.

8. Ressourcen-Orientierung
Dazu gehört zum einen, die vorhandenen ‚Wurzelfäden’, die das Kind im Boden der Pflege/Adoptivfamilie entwickelt hat, immer wieder schätzen und pflegen (z.B. durch Erzählen (lassen) guter gemeinsamer Erfahrungen).
Zum anderen bedeutet es, dass der Sozialpädagoge das Kennen(lernen) der biographischen Wurzel des Kindes als Ressource für die Zukunft erkennt, und zwar unabhängig von deren Schwere.
Impulsgeber für die Auseinandersetzung und ihre Intensität mit der Herkunftsfamilie ist dabei in der Regel das Kind. Die Abwehr eines Kindes, sich mit bestimmten Situationen und Fakten seiner Vergangenheit (jetzt) zu beschäftigen, kann auch als Fähigkeit gesehen werden, sich nur so viel zuzumuten, wie es mit Mut tragen kann.

9. Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den eigenen biographischen Wurzeln
wenn spürbar ist, dass eine oder mehrere dieser Qualitäten immer wider als besondere Herausforderungen oder als Ärgernis erlebt werden. Richtung der eigenen Biographiearbeit wäre dann vermutlich die Trauer über und die Versöhnung mit den Begrenzungen er eigenen Eltern und dem eigenen Schicksal.


Im weiteren Umgang mit den aufgeschriebenen Geschichten aus dem Arbeitsalltag ließen sich mit Hilfe diese Qualitäten Hinweise darauf erarbeiten, an welcher Stelle im Laufe eines Prozesses von den Sozialarbeitern eine Korrektur vorgenommen werden könnte, um zu hilfreichen Schritten zu kommen. In Kleingruppen bestand die Möglichkeit, auf diese Weise verschiedene Szenarien gedanklich durchzuspielen und herauszufinden, mit welcher veränderten inneren Haltung beim Sozialarbeiter welche äußere Wirkung bei den Beteiligten oder bei der eigenen Einschätzung hervorgerufen wurden.
Innerhalb der Kleingruppen fand so ein supervisorischer Prozess statt.
Verknüpfungen zwischen dem eingebrachten Fall und der persönlichen Biographie, wie sie z.B. in der Geschichte „Wirr warr“ angesprochen wurde, konnten wahrgenommen und positiv genutzt werden.

Abschließende Gedanken aus den Arbeitsgruppen:
• Der Blick auf die Lebensgeschichten ist zu jeder Phase und zu jedem Zeitpunkt eines Pflegeverhältnisses möglich und sinnvoll.
• Akzeptanz und Würdigung des bisher Erreichten sind Voraussetzung, um Pflegeeltern mit ins ‚Boot’ weiterer Biographiearbeit zu nehmen.
• Nützlich kann es sein, auch auf die ‚Wurzeln’ des Pflegeverhältnisses zurückzukommen. Was war damals Motivation und Absicht, wie war das Pflegeverhältnis angelegt, gab es offenen oder versteckte Adoptionsabsichten und – wünsche?
Klarheit über die Anfangsphase schärft den Blick für die Probleme der Gegenwart.

Zusammenfassung:
Wir haben einen Rahmen vorgegeben, der Sicherheit geboten hat, waren fürsorglich und haben ermöglicht, dass die Kursteilnehmer ihre Geschichten ohne Bewertung aufschreiben und vorlesen konnten. Methoden aus dem biographischen Schreiben gaben dabei Anregungen zum Erinnern und haben gleichzeitig ein Ausufern und das Wiederholen von schon immer so Erzähltem verhindert.
In der Atmosphäre von Offenheit und Vertrauen, die sich dadurch entwickelt hat, haben sich die Sozialarbeiter gezeigt, haben sich bewegen lassen und sind engagiert mitgegangen. Neue Sichtweisen und Perspektiven sind entstanden. Und das sind letztlich auch die Qualitäten, die sie für ihre Arbeit, - nämlich Pflege und Adoptivkinder und deren Familien bei der Wurzelsuche zu begleiten, - brauchen.

Ein abschließender Hinweis:
In der Arbeit mit Pflegeeltern, deren Pflegekinder bereits aus dem Haus sind, wurde deutlich, dass ihnen oftmals nicht hinreichend bewusst ist, welche Spuren oder welche Bedeutung ihre Arbeit bei den Kindern hinterlässt. Aussagen wie „Er kommt uns auch nach zehn Jahren noch besuchen“, „er möchte, dass wir seine Frau kennen lernen“ , „als es ihr ganz schlecht ging, hat sie bei uns angerufen“, machen deutlich, dass es eine Anforderung an die Pflegeeltern ist, sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft der Pflegekinder ins Bewusstsein zu nehmen und ihren Stellenwert in beidem zu finden.

Anhang:

Erläuterung der Schreibmethoden mit Beispielen

Die Bedeutung der freien Assoziation in der Biographiearbeit und der Poesietherapie:
Die unbewussten Seiten von uns Menschen, nicht Gegenstand unserer Alltagssprache und des Alltagsbewusstseins, sind Inhalt der poetischen Sprache und der inneren bildwelt und des Traums. Die freie Assoziation als Methode des biographischen Schreibens hilft uns, Zugang zu dieser Welt zu finden und sie mit unserem Tagesbewusstsein zu verbinden. Wir erzählen uns unsere Geschichte(n) so noch einmal auf eine Weise, die sie für uns selbst wie neu erscheinen lässt und die uns überrascht. Die neuen, vordem unbewussten Aspekte, können dabei integriert werden.

Freue Assoziationen entwickeln sich aus einem Kernwort, an das sich Wortgruppen und Wortketten anschließen.
Die Bildung solcher Ketten und Netze ermöglicht es, die noch nicht ‚gehobenen’ Erinnerungen, Gefühle, Einfälle, die eher im halbbewussten schlummern, über den Ausdruck ins Bewusstsein zu heben.
Dieses Ausdrücken von etwas Bedeutsamen, das zuvor verborgen war, erweitert unsere Möglichkeiten zu fühlen, zu denken und zu handeln.

Angewendete Methoden der freien Assoziation:

(1) Schreibsonne:
Ein Thema oder Schlüsselwort finden; in die Mitte des Blattes setzen und, einer Sonne gleich, einen Kreis darum ziehen. Dieser Sonne nun Strahlen geben, indem außen herum im Uhzeigersinn die Assoziationen zum Thema in Stichworten notiert werden. Die Stichworte bilden die Anregungen zum Schreiben eines Textes. Zum Schluss wird eine Überschrift für den entstandenen Text gewählt.

(2) Cluster:
Das Clsuter ist eine Weiterführung der Schreibsonne und führt zu einer Intensivierung der freien Assoziation.
Wieder mit dem Kernwort, das umrahmt wird, auf der leeren Seite beginnen. Dass vom Kernwort aus rasch und ohne lange Überlegungen Assoziationsketten bilden. Das jeweils zuletzt geschriebene Wort ist Assoziationsgeber für das kommende. Sind die aufeinanderfogenden Assoziationen erschöpft oder kommt ein neuer Einfall, geht man zurück zum Kernwort und beginnt eine neue Assoziationskette.
Nach ca. zehn Minuten wird in der Regel ein Muster erkennbar, ein Thema, das immer wieder auftaucht oder zu dem man sich besonders hingezogen fühlt. Dieses Thema nimmt man als Ausgangspunkt für einen Text.

Quelle: Lutz von Werder „Lehrbuch des kreativen Schreibens“ Schibri-Verlag 1993