Was ich vom Sterben sah und hörte

Es ist Sommer und es riecht nach Kindheit. Und du liegst in dem Bett, in dem du immer gelegen hast und du stirbst.

Und ich erinnere mich an alle Sommer, an alle Sommer meiner Kindheit, das ist vielleicht nur ein Sommer, ein Tag, ein paar Minuten intensiven Glücks. Die Hitze des (einen) Tages, alle Gerüche – das Heu, die Kühe, Stroh und Rosen, - das Rauschen des Kastanienbaumes nebenan. Alles ist, wie es war (sein soll), wie es gehört im Sommer meines Lebens und du liegst im Bett, ohne das Rauschen der alten Kastanie, die gefällt worden ist im letzten Jahr, liegst du im Bett und stirbst.

Du, die du meine Mutter bist.
Noch meine Mutter, weil du da liegst und lebst und noch nicht gestorben bist.

Der Auszug aus Ägypten, fast, wo das Meer sich trennt und du, gerettet, in der Wüste bleibst, vierzig Jahre lang und erst wenn du stirbst, sind die vierzig Jahre vorbei.

Und ich sitze und schaue die Wand an und es geht mir nichts aus dem Sinn. Es kommen mir überall entgegen die Geschichten, die mir erzählt sind, und ich habe gesagt zu meiner Mutter, meiner Tante, meiner Oma, zu Parwin und Herbert, meinem Cousin, erzähl nur, hab ich gesagt, wenn sie meinten, es sei zu viel. Erzähl nu. Und sie haben erzählt.

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